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zaterdag 30 augustus 2014

Offener Brief ann Stamapostel Wilhelm Leber von Olaf Wieland.Teil 2)


Gesprächskreis "Toleranz im Glauben" Berlin - Offener Brief an Dr. Stammapostel Leber anlässlich seines Rücktritts Pfingsten 2013

"Neuapostolische Kirche lehnt Unterstützung der Aktion „Würde und Versöhnung– Deutschland hilft bedürftigen Holocaustüberlebenden in Israel“ ab

Gedanken und Hinweise zum Festgottesdienst mit dem Stammapostel am 19. Mai 2013 (Pfingsten) in Hamburg-Borgfelde mit weltweiter Übertragung – Zurruhesetzung des Stammapostels Dr. Wilhelm Leber

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Lieber Stammapostel Dr. Wilhelm Leber,

so wie wir bei Ihrer Amtseinführung als Stammapostel am 15. Mai 2005 (Pfingsten) in der Neuapostolischen Kirche Fellbach dem scheidenden Stammapostel Richard Fehr einen ausführlichen Offenen Brief[6] zusandten und unseren Dank sowie auch unsere Sorgen als reformorientierte Mitglieder der NAK zum Ausdruck brachten, so möge es auch in Form einer schönen Tradition bei Ihrer nun anstehenden Zurruhesetzung am 19. Mai 2013 (Pfingsten) in Hamburg- Borgfelde geschehen.

Zunächst bedanken wir uns für Ihren Aufruf, betend einzutreten für unsere kritischen Geschwister. Es war und ist nicht immer einfach, sich für den Öffnungsprozess unserer Kirche einzusetzen und den Geschwistern zu helfen, welche noch in alten unseligen Denkstrukturen (Exklusivitätsanspruch) verharren. Aber unter der Losung, „Das gute Alte bewahren, dem Neuen freudevoll anhängen“ konnten zwischenzeitlich mancherlei Erfolge und segensreiche Begegnungen erzielt werden. Dabei möchten wir nicht verschweigen, dass es im Zusammenhang mit dieser Entwicklung unbewusst oder vielleicht auch bewusst zu seelischen Verletzungen kam, deren Wunden verbunden werden mussten und heute noch schmerzen, so wie es mir beispielsweise unser Bruder Norbert Mai kürzlich mitteilte. Ich erinnere an den Vorfall im Saarland[7], wo neuapostolischer Fanatismus zu Gewalt gegen Andersdenkende führte.

In Gesprächen mit Bruder Mai, welcher mit dem urchristlichem Mittel der Bereitschaft zum Leiden die schon seit längerer Zeit gegen ihn geführten Angriffe von Geschwistern und Amtsträgern - welche meinen, ihm wegen seiner kritischen Haltung Schaden zufügen zu müssen – erduldet und unter Einbeziehung des Bezirksapostels Koberstein konnten wir Versöhnungsbereitschaft erreichen. Bezirksapostel Koberstein schrieb mir auf auf meinem Brief vom 25. Juni 2012 die für Bruder Mai wohltuenden Worte:

„Lieber Bruder Wieland,

leider komme ich erst heute zu Urlaubsbeginn dazu, auf Ihren Brief vom 25. Juni 2012 zu antworten.

Der von Ihnen geschilderte Vorfall tut mir sehr leid. Ich habe ihn nicht persönlich miterlebt. Die Berichte darüber sind sehr unterschiedlich, für beide Versionen werden auch Zeugen benannt, so dass ich mich nicht in der Lage sehe, eine Stellungnahme dazu abzugeben.

Wenn Sie darauf hinweisen, dass ich als Apostel und Träger des Amtes der Versöhnung entsprechend wirken soll, kann ich Ihnen versichern, dass dies immer mein Bestreben war und ist. Das entspricht dem Evangelium Jesu und darf schließlich nicht nur verbalisiert, sondern sollte vor allem gelebt werden. Was ich diesbezüglich im vorliegenden Fall zu leisten habe, werde ich tun.

Ich wünsche Ihnen alles Gute.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr

Bernd Koberstein“

Dieser informative Offene Brief an Sie ergeht auf Wunsch von Geschwistern, die den Offenen Brief an den Apostel Steinbrenner vom 20.03.2013 im Kontext der Unterstützung der Aktion „Würde und Versöhnung – Deutschland hilft bedürftigen Holocaustüberlebenden in Israel“[8] und seine Beantwortung durch Apostel Steinbrenner gelesen hatten.

Wir wollten nach der ablehnenden Antwort von Apostel Steinbrenner eigentlich den Sachverhalt abschließen, haben aber nun entschieden, die uns von Geschwistern zugesandten Dokumente, welche hauptsächlich in Verbindung mit den „Eigenmächtigkeiten der Apostelfamilie Bischoff“[9] stehen und damit auch Ihre Person betreffen, im Rahmen dieses Offenen Briefes zu veröffentlichen. Das ist unser weiterer bescheidener Beitrag der Unterstützung der PG „Geschichte der Neuapostolischen Kirche“ (GNK) und soll ein kleines Dank- und Abschiedsgeschenk engagierter Geschwister zu Ihrer bevorstehenden Zurruhesetzung sein.

Nutzen Sie bitte diese Zusendung auch für eine Sensibilisierung unseres neuen Stammapostels Jean- Luc Schneider, damit er die in Ihrer Amtszeit verschobenen und damit unerledigten Problempunkte, wie wir sie im nachfolgenden anführen werden, beherzt und zuversichtlich anpackt und unter dem Aspekt des Versöhnungsgedankens zu einem guten Ende führt. In Rücksicht auf Ihren familiären Hintergrund bzw. den familiären Verbindungen („Apostelfamilie Bischoff“) und zum Schutze des Stammapostelamtes erhalten Sie diesen Offenen Brief rechtzeitig kurz vor dem Pfingstfest und Ihrer Zurruhesetzung, damit es möglich ist, dass Sie als Stammapostel entsprechend Ihrer Befugnis dem neuen Stammapostel Jean -Luc Schneider entsprechende Wegweisung geben können. Natürlich steht es Ihnen offen, selbst verantwortlich und umsichtig in Ihrem Amt als Stammapostel noch auf diesen Brief zu reagieren und damit den zukünftigen Stammapostel zu entlasten, so wie Sie „die verbleibenden zwei Wochen im Amt offenbar noch dazu nutzen, ein sichtbares Signal der Versöhnung in Richtung der Vereinigung Apostolischer Gemeinden (VAG) zu senden.“[10]

Mit der Ordinierung des derzeitigen Stammapostelhelfers Bezirksapostel Jean-Luc Schneider zum Stammapostel der Neuapostolischen Kirche am 19. Mai 2013 in Hamburg-Borgfelde werden Sie Ihre Amtszeit als Stammapostel beenden und in den Ruhestand treten.

Ihre Amtszeit von 2005 - 2013 war geprägt „von sterbenden Gemeinden[11] und sinkenden Mitgliederzahlen“, von „Innovationsverlust und Passivität in den neuapostolischen Kirchen“[12], dem sogenannten „Betriebsunfall“ zweiter Informationsabend der Neuapostolischen Kirche am 04.12.2007 aus Zürich[13], dem „restaurativen Gottesdienst in Osnabrück“[14], der leidvollen Zerstörung der neuapostolischen Gemeinde Hamburg-Blankenese[15] aufgrund Auseinandersetzungen zwischen Ihnen und den dortigen progressiven Geschwistern[16] sowie aktuell der Finanzaffäre um den Bezirksapostel Armin Brinkmann, welche Sie „ungeachtet der aktuellen dramatischen Vorgänge in der Gebietskirche Nordrhein-Westfalen“ in einem Festgottesdienst in Hamm „penibel ausblendeten“.[17]

Positiv hervorzuheben ist, dass Sie der Forderung von kritischen und engagierten Geschwistern mit der Präsentation des neuen Katechismus der NAK auf dem dritten Informationsabend der NAK am 04.12.2012[18] entsprochen haben mit dem Ziel, aus der „Sektenecke“ herauszukommen.[19] Damit wurde von Ihnen der Weg freigeräumt für einen beginnenden theologischen Diskurs, auch wenn Sie das erst vor fünf Monaten veröffentlichte Lehrwerk überarbeiten möchten.[20]In einem Gastbeitrag auf der virtuellen Informationsplattform „Religionsreport“ wird der neue Katechismus vom ehemaligen Beauftragten für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Ev. Kirche in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz Thomas Gandow kritisch als „Mogelpackung“ eingeschätzt bzw. als eine „kosmetische Verpackung der neuapostolischen Glaubenswahrheiten in gefälliger Sprache“.

In seinem Fazit wird ausgeführt:


„Prüfen wir am konfessionskundlichen Sektenbegriff, beispielhaft definiert im „Handbuch Religiöse Gemeinschaften und Weltanschauungen der VELKD“ von 2006: „Christliche Sekten sind Gemeinschaften, die mit christlichen Überlieferungen außerbiblische Wahrheits- und Offenbarungsquellen verbinden, aus denen sie wesentliche Sonderlehren ableiten.“ Hier wird deutlich: die Neuapostolische Kirche muss wegen ihrer außer-biblischen Offenbarungsquelle „Apostelamt“, das selbst durch außerbiblische Offenbarung entstand und ihrer (teilw. auch aus diesem Amt entspringenden) eschatologischen Sonderlehren – einschließlich der Lehren über Heilsvermittlung im Jenseits – weiterhin zu den klassischen christlichen Sekten gezählt werden.“[21]

Die selbstkritische Aufarbeitung der Vergangenheit (NS-Zeit, DDR, „Botschaft“ des Stammapostels Johann Gottfried Bischoff) ist trotz Ihrer Absichtserklärungen, Versprechungen und Versöhnungsgesten leider nicht erfolgt, wurde aus kirchenstrategischen Erwägungen wegen Ihrer familiären Vorgeschichte („Eigenmächtigkeiten der Apostelfamilie Bischoff“, „Die Bischoff-Connection“[22]) bzw. aus Angst vor Forschungsergebnissen, „die unangenehm sind und uns nachteilig ausgelegt werden können“[23] permanent in der Schwebe gehalten und befindet sich zum Schaden der Glaubwürdigkeit unserer Kirche weiter im Stadium der Bemühungen. Es ist darum nicht verwunderlich, dass der Geschichtsvortrag „Die Neuapostolische Kirche von 1938 bis 1955, Entwicklungen und Probleme – Zusammenschau“ auf dem zweiten Informationsabend der NAK von Ihnen mit dem Jahr 1938[24] begann, weil Sie die „Apostelfamilie Bischoff“ schützen wollten. Sie standen also nicht zur Wahrheit, obwohl Sie erklärten:

„Warum wird überhaupt unsere Geschichte behandelt? Nun, ich meine, die Geschichte ist ein Teil unserer Identität. Sie gehört also zu uns. Wir können Sie nicht einfach verleugnen, auch wenn Dinge zutage gefördert werden, die unangenehm sind oder uns nachteilig ausgelegt werden können. Die Forderung, zur Wahrheit zu stehen, ergibt sich auch aus dem Evangelium. Und letztlich kann man aus der Geschichte lernen.“[25]

Prof. Helmut Obst merkte kritisch an:

„Es verwundert und ist methodisch kaum zu vertreten, dass nicht zuerst die allgemeine Geschichte der Neuapostolischen Kirche (NAK) in der Zeit des Nationalsozialismus, die maßgeblich von Bischoff mitgestaltet wurde, Aufarbeitung fand.“[26]

Unterstützungsbegehren zur Geschichtsaufarbeitung engagierter Geschwister wurden von Ihnen abgelehnt und konkrete Nachfragen über die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen der kircheneigenen PG „Geschichte der Neuapostolischen Kirche“ (GNK) nicht beantwortet, sondern die Anfragenden und Interessierten auf unbestimmte Zeit vertröstet.[27]Rehabilitierungswünsche von Geschwistern haben Sie mit schönen Worten abgeschmettert, wie beispielsweise gegenüber unserem Bruder Walter Suchsland aus Mönchengladbach, dem kurz vor seinem Heimgang sein ehrlicher und eindeutig begründeter Rehabilitierungswunsch verwehrt wurde und welcher sich von Ihnen als „Mensch zweiter Klasse“ behandelt fühlte.[28]

„Stammapostel Leber musste in seiner Antwort auf die Anfragen des Gesprächskreises „Toleranz im Glauben“ Hamburg vom 20. 07. 2010 nach mehrmaligen Anmahnen am 20. 09. 2010 zugeben:



„Wie Sie wissen hat die AG Geschichte der NAK die Aufgabe, zur Situation der Kirche in der

ehemaligen DDR Untersuchungen zu machen. Bisher hat die AG Geschichte aber noch keine

Ergebnisse vorgelegt – auch nicht intern. Insofern kann ich zu Ihrer Frage bisher nicht Stellung nehmen.

Mir ist auch nicht bekannt, wann die AG Geschichte erste Ergebnisse vorlegen wird. Ich muss Sie im Moment noch vertrösten.“[29]





Weiter führt Stammapostel Leber in dem Antwortschreiben vom 20. 09. 2010 an den Gesprächskreis „Toleranz im Glauben“ Hamburg aus:



„Sie fragen, ob ein Fonds für neuapostolische Kirchenmitglieder aufgelegt werden könnte, welche mit ihrer Forschung publizistisch tätig sind. Dazu sage ich: Im Budget von NAKI sind hierfür keine Mittel vorgesehen.

Die Prognosen der Einnahmeentwicklung lassen auch zukünftig keinen Raum für derartige Aktivitäten. Soweit mir bekannt ist, ist die Situation in den europäischen Gebietskirchen nicht anders. Daher muss ich sagen, dass von Seiten der Kirche leider keine Mittel für diesen Zweck zur Verfügung gestellt werden können“.



Die Mahnung von Stammapostel Fehr i. R. hatte seine Berechtigung, als er im Zusammenhang mit der Darstellung der Geschichte der NAK äußerte:



„Wenn wir diese Aufgabe nicht wahrnehmen, werden es andere tun.“



„Die AG "Geschichte der Neuapostolischen Kirche" (GNK) wurde am 
21. Oktober 1999 von Stammapostel Fehr gegründet; ihr Auftrag lautet:

"Die Geschichte der NAK historisch einwandfrei nachvollziehbar darstellen 
und auch solche Aspekte aufnehmen, die für die Kirche unbequem sein könnten. 
Die Darstellung soll objektiv sein und alle Fragen tabufrei beleuchten. 
Dabei soll der Gedanke berücksichtigt werden: 
Wenn wir diese Aufgabe nicht wahrnehmen, werden andere es tun".[30]

In dieser Hinsicht sind die Ausführungen in den Leitartikeln der Zeitschrift „Unsere Familie“, die von ihrem Schwiegervater und Bezirksapostel Friedrich Bischoff unter der Überschrift „Was ihr nicht getan habt“ eindrucksvoll formuliert wurden“, für Sie als Stammapostel und der AG „Geschichte der Neuapostolischen Kirche“ GNK sehr lehrreich.[31]

Zusammenfassend werden Sie darum allgemein als ein Stammapostel der Ambivalenz und freundlichen Gesten ohne „Stehvermögen auch gegenüber `Betonköpfen` auch unter den Bezirksaposteln“[32] charakterisiert. Sie tragen aber die volle Verantwortung, weil Sie als Stammapostel alleinig in der Neuapostolischen Kirche im Endeffekt weisungsbefugt sind bzw. die Entscheidungen zu treffen hatten gemäß der Aussage des Apostels Drave in seinem Antwortbrief vom 09. Januar 2009 an den Gesprächskreis „Toleranz im Glauben“ Hamburg:

„Es liegt nicht in meinen Befugnissen als Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Geschichte der NAK“, über die Einsicht in Dokumente oder die Weitergabe von Kopien zu entscheiden. Der Stammapostel legt fest, wie und in welcher Form Informationen über die Geschichte unserer Kirche öffentlich zugänglich gemacht werden und wer Einsicht in Dokumente erhält.“

Nun zu dem eigentlichen Anliegen dieses Offenen Briefes:

Nach der Veröffentlichung des Offenen Briefes vom 20.03.2013„`Loblied auf Hitler` durch die neuapostolischen `braunen Apostel`“ und Beantwortung durch Apostel Steinbrenner ergaben sich viele Nachfragen durch Geschwister und Amtsträger. Apostel Steinbrenner begründete die Ablehnung der Unterstützung der Aktion „Würde und Versöhnung – Deutschland hilft bedürftigen Holocaustüberlebenden in Israel“ mit folgenden Worten:

„Es ist so, dass unsere Glaubensgeschwister natürlich Zeit haben, sich einer Vereinigung anzuschließen, welcher immer sie wollen. Wir als Kirche können aber einer derartigen Vereinigung keine Opfergelder einsetzen und damit indirekt die Geschwister veranlassen, eine Sache zu unterstützen, mit der sie sich möglicherweise dann doch nicht verbinden wollen. Das ist aber letztendlich ihre Privatangelegenheit."

Diese Entscheidung der Neuapostolischen Kirche ist enttäuschend und muss als unglaubwürdig betrachtet werden, denn wann wurden die Geschwister jemals gefragt, wann und wie die Opfergelder eingesetzt werden? Im Gegenteil. In der Finanzaffäre des Bezirksapostels Armin Brinkmann wurden Opfergelder in Höhe von 16 Millionen Euro durch unverantwortliche Spekulationen verschleudert. Es ist darum auch beschämend, dass dem Antrag des Gesprächskreises „Toleranz im Glauben“ Hamburg auf 1000 Euro für die Unterstützung ihrer Forschungsarbeit mit entsprechenden Nachweisen nicht entsprochen wurde.[33]

Besonders entsetzt und schockiert waren manche Geschwister nach dem Lesen des Offenen Briefes an Apostel Steinbrenner über das damalige Verhalten des Stammapostels Johann Gottfried Bischoff, wie es im Fall des Bezirksältesten Wilhelm Neuer, seiner Familie und weiteren neuapostolischen Gemeindemitgliedern, die der Stammapostel J. G. Bischoff in seinem Anschreiben an das preußische Kultusministerium vom 02. August 1933 als „Mitunterzeichner“ bezeichnete, dokumentiert ist.

Der Sachverhalt wurde erstmalig in der 1993 veröffentlichten Dokumentation „Die Neuapostolische Kirche in der N.S.-Zeit – und die Auswirkungen bis zur Gegenwart“ von Dr. Michael König und Dr. Jürgen Marschall“ bekannt. Die danach erfolgte Aufforderung durch den Journalisten Heinz-Peter Tjaden in einem Schreiben vom 11.06.1993 an die neuapostolische Kirchenleitung, „alle NS-Akten auf den Tisch zu legen“, wurde durch die Neuapostolische Kirche Württemberg bzw. dem damaligen Bezirksapostel Karl Kühnle abgelehnt, was verständlich erscheint, denn kritische Geschwister wurden von Stammapostel J. G. Bischoff aus der Neuapostolischen Gemeinde e.V. in der NS-Zeit willkürlich und entgegen den Satzungen ausgeschlossen und bei der Staatsanwaltschaft und den faschistischen Parteiorganen denunziert.

Stammapostel Bischoff strebte also die Verfolgung und Bestrafung der von ihm denunzierten Geschwister durch die NS-Organe an verbunden mit dem Ziel eines Ausschlusses aus der NSDAP. Es muss dazu erwähnt werden, dass sein Sohn Friedrich Bischoff als „Charakter-Evangelist“ später als SA-Mann und Anwärter für eine Mitgliedschaft in der faschistischen verbrecherischen Organisation SS am 01. Mai 1933 selbst der NSDAP beitrat und dass nach Selbstaussage des Stammapostels J. G. Bischoffs „jeder Diener und jedes Mitglied der Neuapostolischen Gemeinde durch die planmäßige Beeinflussung seitens der Hauptleitung im nationalsozialistischen Sinn erzogen“ wurde, „so dass die meisten Mitglieder der Neuapostolischen Gemeinde der Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei angehören oder ihr nahe stehen…“.[34]

Das Denunziantentum des Stammapostels J. G. Bischoff zeigt sich eklatant in folgenden Zitaten:

„Zu bemerken ist noch, dass auf Grund dieser Handlungsweise, durch welche die Familie Neuer aus der Gemeinde ausgeschlossen wurde, auch Schritte in die Wege geleitet wurden, die voraussichtlich den Ausschluß des Herrn Neuer aus der N.S.D.A.P. zur Folge haben werden.“[35]

„dass er sich in seinen immer dringlicher werdenden Forderungen und Schreiben schließlich zu einem Erpressungsversuch verstieg und in seiner Niedertracht für die Erledigung seiner Privatangelegenheiten die nationale Bewegung zu missbrauchen suchte, was auch Unterlage zur Anzeige bei der hiesigen Staatsanwaltschaft wurde.“[36]

„Außer Herrn Neuer wurde auch ein Herr Rösch im Zusammenhang mit dieser Angelegenheit aus der Neuapostolischen Gemeinde ausgeschlossen, da Herr Rösch im Sinne Neuers trotz wiederholten Verwarnungen unwahres Material über die Hauptleitung der Neuapostolischen Kirche verbreitete. Auch das wird Anlaß zu einer Anzeige bei der zuständigen Parteistelle sein.“[37]

„Die Hauptleitung der Neuapostolischen Kirche ist jederzeit bereit, einen Referenten nach Berlin zu entsenden, um alles, was im Zusammenhang mit der Neuapostolischen Kirche zu sagen ist, zu unterbreiten. Gleichfalls ist unser Mitglied Pg. Reichstagsabgeordneter Wolkersdörfer, Verband der Nahrungsmittel- und Getränke-Arbeiter, Berlin, Reichstagsufer 3, der ein persönlicher Bekannter des Herrn Kultusminister Rust ist, bereit, alle Auskünfte diesbezüglicher Art zu geben.“.[38]

„Die Hauptleitung der Neuapostolischen Kirche ist jederzeit bereit, einen Referenten (Anm.: Friedrich Bischoff als „Charakter-Evangelist“ und Verlagsinhaber des Verlages Friedrich Bischoff , Sohn des Stammapostels J. G. Bischoff) nach Berlin zu entsenden, was im Zusammenhang mit der Neuapostolischen Kirche zu sagen ist, zu unterbreiten.“[39]

In einer unveröffentlichten Ausarbeitung über „Die Neuapostolische Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland 1933-1945“ von Apostel Walter Drave, dem federführenden Leiter der PG „Geschichte der Neuapostolischen Kirche“ (GNK), vom September 1994 wird der „politische Beauftragte“ Friedrich Bischoff erwähnt.[40]

Es musste leider festgestellt werden, dass infolge der Anzeigen des Stammapostels J. G. Bischoff folgende neuapostolische Geschwister trotz Nachforschungen in Archiven, bei Standesämtern, Friedhofsverwaltungen, Gerichten und beim Internationalen Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes in Bad Arolsen[41] nicht aufzufinden waren.

Beantwortung der Anfrage des Gesprächskreises „Toleranz im Glauben“ Hamburg vom 21.04.2009:

„Sehr geehrter Herr W.,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Aufgrund Ihrer Angaben haben wir eine Überprüfung in unserer zentralen Namenskartei durchgeführt. Leider verlief die Recherche für alle angefragten Personen negativ. Wir konnten keine Informationen in unseren Dokumentenbeständen feststellen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass unser Archiv - trotz des immensen Archivbestandes – bei weitem nicht vollständig ist. Außer den von Ihnen bereits kontaktierten Stellen sind uns keine weiteren bekannt. Wir bedauern sehr, Ihnen nicht behilflich sein zu können und verbleiben mit freundlichen Grüßen.“

Der Verdacht besteht, dass diese Geschwister durch schuldhaftes und unversöhnliches Verhalten des Stammapostels Johann Gottfried Bischoff der nationalsozialistischen Willkürherrschaft zum Opfer gefallen sind. Es handelt sich um folgende neuapostolische Geschwister:

1. Bezirksältester Wilhelm Neuer

2. Frau Frieda Neuer (Ehefrau)

3. Herr Heinz Bruno Neuer (Sohn)

4. Herr Brunnengräber

5. Herr W. Fecht

6. Herr Jos. Rösch

7. Frau Gertrud Rösch

Wir fordern den Stammapostel der Neuapostolischen Kirche in Zusammenarbeit mit der PG „Geschichte der Neuapostolischen Kirche“ (GNK) auf, hier für weiterführende Klärung zu sorgen.

Hinweis zum Deckblatt dieser kleinen Dokumentation mit dem Abbildungen der Leiter der Religionsgemeinschaften Johannische Kirche („Der Meister Joseph Weißenberg“) und Neuapostolische Kirche (Stammapostel Johann Gottfried Bischoff – Der Unsterbliche):

Eine engagierte neuapostolische Schwester besuchte vom 21. bis 26. Juni 2006 die 1169. Berliner Bibelwoche für Interessierte an Sekten- und Weltanschauungsfragen. Sie nahm regelmäßig an den Veranstaltungen teil. Während dieser Bibelwoche wurde dezidiert auf die Gemeinsamkeiten bzw. Ähnlichkeiten der Neuapostolischen Kirche mit der Johannischen Kirche hingewiesen. Auf Nachfrage eines Theologen bei einem Besuch der Johannischen Kirche am Sonnabend, den 24. 06. 2006, wurde auf eine Büste des Religionsführers Joseph Weißenberg (siehe auch Kapitel „Personenkult um den Stammapostel Bischoff“) verwiesen, welche seitlich im Gottesdienstraum aufgestellt war. Die Pressesprecherin der Johannischen Kirche erläuterte, dass die Kirchenleitung für die Zukunft erwägen würde, die Bronzebüste des Joseph Weißenberg „in den Keller zu verbannen“.

Folgerichtig wurde im Zusammenhang mit den Ähnlichkeiten zwischen Neuapostolischer und Johannischer Kirche bei der Bibelwoche zunächst am 23.06.2006 um 11.00 Uhr eine Neuapostolische Kirche besucht, worauf sich am Nachmittag thematisch um 16.30 Uhr die Veranstaltung „Die NAK – Kritischer Blick aus der Innenperspektive“ anschloss.

Am Sonnabend, dem 24.06.2006, erfolgte dann um 11.00 Uhr eine „Einführung: Joseph Weißenberg und die Johannische Kirche“ mit anschließenden Besuch um 15.30 Uhr in einer Johannischen Kirche / Trebbin. Im geselligen Rahmen - großer Biergarten mit Riesenleinwand zur Übertragung von Fußballspielen - wurde um 18.00 Uhr unter dem Veranstaltungshinweis „Weißbier bei den Weißenbergern. Der kulinarische Weltbezug einer Sondergemeinschaft.“, die informative Bibelwoche weitergeführt.



So wie der theologische Berater des Stammapostels Dr. Reinhard Kiefer die „Ähnlichkeiten zwischen Neuapostolischer und Katholischer Kirche“[42] darzustellen versuchte, so haben wir als bescheidene und einfache Geschwister in unserem Deckblatt dieser kleinen Dokumentensammlung die Ähnlichkeiten zwischen der Neuapostolischen und Johannischen Kirche verdeutlichen wollen. Im „Buch der Sekten“ können sich dann die interessierten Geschwister das entsprechende Wissen zur Vertiefung aneignen, um im freigegebenen theologischen Diskurs – geführt vom Heiligen Geist und unter dem Aspekt der versöhnten Verschiedenheit – auf der Basis unseres neuen Katechismus Zeugnis abzulegen. Wir wünschen dazu Gottes reichen Segen und schöne Begegnungen.

"Plötzlich hörte man ein mächtiges Rauschen, wie wenn ein Sturm vom Himmel herabweht. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus, in dem die Jünger waren. Dann sah man etwas wie Feuer, das sich zerteilte, und auf jeden von ihnen ließ sich eine Flammenzunge nieder. Alle wurden vom Geist Gottes erfüllt und begannen in verschiedenen Sprachen zu reden, jeder wie es ihm der Geist Gottes eingab." (Apostelgeschichte 2, 2-4)

Mit diesem Auszug aus der Heiligen Schrift wünschen wir Ihnen ein gesegnetes Pfingstfest.

Die Geschwister des Gesprächskreises „Toleranz im Glauben“ Berlin.



(Das Leitungsteam des Gesprächskreises „Toleranz im Glauben“ Berlin übernimmt keine Verantwortung und Haftung für die von Geschwistern zur Verfügung gestellten Dokumente in den Anhängen sowie für die dort erfolgten schriftlichen Meinungsäußerungen.)


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[1] Stammapostel Richard Fehr, zitiert aus: Neuapostolische Kirche International, „Stellungnahmen zu den Vorwürfen gegen die Neuapostolische Kirche“, in Unsere Familie, 56. Jahrgang, Nr. 2, 20.01.1996, 18
[2]Bild: Kurt Hutten, Das Buch der Sekten, Seher, Grübler, Enthusiasten, Sekten und religiöse Sondergemeinschaften der Gegenwart, Quell – Verlag Stuttgart, 1966, Bildteil
[3] Bild: Helmut Obst, „Apostel und Propheten der Neuzeit“, Union-Verlag Berlin, 1981, 337.
[4] http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9224754.html
[5] Kurt Hutten, Das Buch der Sekten, Seher, Grübler, Enthusiasten, Sekten und religiöse Sondergemeinschaften der Gegenwart, Quell – Verlag Stuttgart, 1966, 696.
[6] http://www.nak-info.de/infopool/OffDdr.pdf
[7] Neuapostolischer Fanatismus im Saarland - Gewalt nach dem Gottesdienst
[8] http://qv-nak.lima-city.de/Offener-Brief-Steinbrenner.pdf
[9]http://www.nak.org/de/news/offizielle-verlautbarungen/article/13010/
[10] http://www.religionsreport.de/?p=3605
[11] „Die NAK verliert in Europa mit hoher Geschwindigkeit an Boden. Damit bildet sie im christlichen Spektrum keine Ausnahme, doch das Tempo ist atemberaubend. In 2012 wurden über 120 Gemeinden allein in Deutschland geschlossen. Das sind fast sechs Prozent des Gemeindebestandes innerhalb nur eines Jahres. Diese Entwicklung ist von der Mitgliederentwicklung entkoppelt und deutet auf eine ausgeprägte „innere Emigration“ ehemals aktiver Kirchenmitglieder hin“ / http://www.religionsreport.de/?p=3436
[12] http://www.glaubenskultur.de/ „Wachstum erfordert neue Strukturen“
[13] http://www.glaubenskultur.de/premium.php?id=871
[14] http://www.christ-im-dialog.de/index.php...ask=view&id=219
[15] http://www.apostolische-geschichte.de/wi...burg-Blankenese
[16] http://f3.webmart.de/f.cfm?id=1449553&r=...&t=2988192&pg=1
[17] http://www.religionsreport.de/?p=1595
[18] http://www.religionsreport.de/?p=3024#more-3024
[19]Vgl. Confessio 1/2013, Ökumenefähig. Die Neuapostolische Kirche nach dem Katechismus, 10.
[20] http://www.religionsreport.de/?p=3499#more-3499
[21] http://www.religionsreport.de/?p=3544
[22] http://www.glaubenskultur.de/artikel-629.html
[23] Zeitschrift „Unsere Familie“ vom 20.03.2008, 68. Jahrgang, Nr. 6.
[24] http://www.christ-im-dialog.de/index.php...d=580&Itemid=30
[25] Ebd.
[26] Helmut Obst, Stammapostolische Theokratie in der Neuapostolischen Kirche, Materialdienst der EZW 3/08.
[27] http://qv-nak.bplaced.net/Leber1x.pdf
[28] http://www.sekten.ch/ex-site/links/nak/steurich2.pdf
[29] http://mitglied.multimania.de/Horst_Hart...11/nak/iwen.pdf
[30] http://www.christ-im-dialog.de/index.php...sk=view&id=1540
[31] Einsichten und Erfahrungen, eine Auswahl aus den Leitartikeln der Zeitschrift „Unsere Familie“, Was ihr nicht getan habt, Band 1, Friedrich Bischoff Druckerei und Verlag, o.J., 262-264.
[32] http://christ-im-dialog.de/index.php?opt...=756&Itemid=170
[33] http://mitglied.multimania.de/Horst_Hart...11/nak/iwen.pdf
[34] Zitiert aus: Anschreiben Johann Gottfrieds Bischoffs an das Preußische Kultusministerium, Abteilung für Kirchenwesen, Berlin 2. August 1933, Ministerium der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten, Geistliche Abteilung, ACTA, Betreff: Die neuapostolische Religionsgesellschaft, Vol. III vom Juni 1924-1941, Generalia 23418, Sekten, (unleserlich), 25 III, Bl. 114-127: hier Blatt 120 (Barch). 
[35] Ebd., Bl. 119-120
[36] Ebd., Bl. 125
[37] Ebd., Bl. 125
[38]Ebd., Bl. 126-127
[39] Ebd., Bl. 126
[40] Walter Drave, Die Neuapostolische Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland 1933-1945-Darstellung, unveröffentlicht, Zeittafel Neuapostolische Kirche und Politische Geschichte, 1994, 3: „31. Juli 1933: Bei einer nationalsozialistischen Kundgebung im Frankfurter Hotel Kyffhäuser hält der politische Beauftragte der Neuapostolischen Kirche Friedrich Bischoff eine Rede. Inhalt: Die Neuapostolische Kirche sei staatstragend. (…) 1. Juli 1933: Stammapostel Bischoff und das Apostelkollegium bevollmächtigen Friedrich Bischoff, die Neuapostolische Kirche in Rechtsangelegenheiten zu vertreten und ihre Stellung gegenüber den staatlichen und kirchlichen Behörden klarzulegen.“
[41] Antwortschreiben des IST – Internationaler Suchdienst Pressestelle, Große Allee 5-9, 34454 Bad Arolsen vom 24. Juni 2009
[42] Zeitschrift „Unsere Familie“, 06/2007, Kirchengeschichte: Ähnlichkeiten zwischen Neuapostolischer und Katholischer Kirche"

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